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American Swissness – das Schweizer Konsulat in Chicago

Chicago
HHF & Kwong von Glinow

In der 38. Etage einer Architektur-Ikone hat das Schweizer Konsulat in Chicago gute Aussichten, eine knallrote Grenze und eine dschungelgrüne Insel.

Von Tanja Pabelick

Auf gerade einmal 140 Quadratmetern hat sich das Schweizer Konsulat in Chicago eingerichtet, die Residenz selbst ist dafür umso eindrucksvoller. Sie befindet sich in der 38. Etage des 100 Stockwerke hohen Gebäudes „875 North Michigan Avenue“ – dem Wolkenkratzer, der seit seiner Errichtung 1969 bis 2018 als Hancock Tower bekannt war. Mit dem gekreuzten, außen liegenden Stahlskelett und der dunkel eloxierten Fassade wirkt der mittlerweile fast acht Jahrzehnte alte Riese zwischen den anderen Wolkenkratzern der Stadt beileibe nicht freundlich. Aber gerade durch seine imposante, elegante und unverwechselbare Silhouette ist er zur Architekturikone des Panoramas geworden.

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HHF & Kwong von Glinow
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HHF & Kwong von Glinow

Eine Architektur des Austauschs

Als die in Chicago ansässigen Architekten Lap Chi Kwong und Alison von Glinow gemeinsam mit dem aus Basel stammenden Büro HHF mit der Neugestaltung des Konsulates beauftragt wurden, nahmen sie sich die Arbeit des Architekten Otto Kolb als Inspiration. Der Schweizer Modernist hatte 1947 bis 1960 in Chicago gelehrt, für die heutigen Architekten verbinden seine Interieure formale Gastlichkeit mit gekonnt integrierten Privatbereichen. „Für uns symbolisiert Kolb die Architektur des Austauschs. Ein Konzept, das gut zur Rolle des Konsulats passt“ sagen die Planer von HHF. Bei der Gestaltung gab es allerdings nicht nur den selbst gesteckten, ästhetischen Rahmen zu beachten, auch durch die strukturelle Funktion ergaben sich besondere Anforderungen. Dazu gehört vor allem die Sicherheit, aber auch die räumliche Zonierung oder die Wahl des Mobiliars.

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HHF & Kwong von Glinow

Ein grünes Zentrum lädt zur formellen und informellen Interaktion ein

Bewusst wollten die Architekten das starre Korsett im Rahmen der Möglichkeiten lockern. Statt blickdichter Funktionsgrenzen arrangierten sie Sichtachsen und platzierten Transparenzen. Organische Formen sorgen für eine weiche und wohnliche Raumwirkung. Außerdem haben sie die Idee eines sozialen Zentrums wortwörtlich genommen: In der Mitte des 4,40 hohen Raumes steht eine grüne Kücheninsel, in der sich alle Wege treffen. Raumtrenner aus grünen Latten werden zum stilisierten Jägerzaun, einige Grünpflanzen zur minimalistischen Hecke. Neben den sich darum gruppierenden Büros sollen die Mitarbeiter sich hier zum Arbeiten und informellen Austausch einfinden – oder die Gäste zum Kaffee einladen. Die müssen allerdings erst eine signalroten Tresen passieren, der sicher nicht ganz unabsichtlich an einen Grenzposten erinnert.

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HHF & Kwong von Glinow
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HHF & Kwong von Glinow
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HHF & Kwong von Glinow