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Aus drei wird eins: Der Um- und Ausbau der Cusanus-Akademie in Brixen setzt auf Dialog

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(Foto: Gustav Willeit)

Mit sensiblen Interventionen an den Bestandsgebäuden zollen MoDus Architects einem brutalistischen Bildungs-Ensemble von 1962 Respekt. Ihre baulichen Eingriffe sind kaum sichtbar – und doch ausreichend, um aus dem Campus der Cusanus-Akademie einen kommunikativen Begegnungsort zu entwickeln: zurück zum Ursprung, hinein in die Moderne.

Von Tanja Pabelick

Sanierung und Umbau der Cusanus-Akademie in Brixen

Seit 1962 steht die denkmalgeschützte Cusanus-Akademie, ein Bildungzentrum der katholischen Kirche, im östlichen Zentrum von Brixen. Entworfen hat die modernistische Betonarchitektur Othmar Barth, der hier auch sein Studio führte. Die Akademie gilt als Pionierprojekt der Nachkriegsarchitektur. Im pittoresken und von mittelalterlichen Strukturen geprägten Stadtgefüge war sie immer ein ausdrücklicher Kontrast. Zuletzt sollte aus den drei Einzelgebäuden durch die Sanierung endlich ein heterogenes und zeitgemäßes Ensemble werden, das auch den Dialog mit der Umgebung sucht. Mit MoDus Architekten wurde wieder ein ortsansässiges Büro beauftragt, dem es gelang, den Charakter der Architektur zu erhalten und ihre Stärken zu betonen. Dazu integrierten die Gestalter mehr soziale und öffentliche Flächen, um das Gebäude und das Gelände zugänglicher zu machen. Dafür hoben sie die ästhetische Qualität des grauen Sichtbetonskeletts mit seinen roten Hartbrandziegeln hervor.

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(Foto: Archivio provinciale di Bolzano)
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(Foto: Gustav Willeit)
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(Foto: Gustav Willeit)

Die Cusanus-Akademie in Brixen wurde unterirdisch erweitert

Zum Herzstück der Akademie wurde das Erdgeschoss des Haupthauses. Eine von Nord nach Süd führende Achse öffnet das Erdgeschoss und verbindet den Haupteingang als Passage mit dem Speisesaal und einem zweiten Eingang. Der konstruktiven Logik des Gebäudes folgend finden sich auf dem Weg einzelne Funktionsbereiche, etwa Refugien mit informellen Sitzbereichen, ein Café und der einzige Seminarraum auf dieser Ebene. Alle anderen Seminarräume liegen unter der Erde. Sie ersetzen den ehemaligen Clubhausbereich und werden durch einen neuen Konferenzsaal ergänzt. Aus Respekt vor dem bestehenden Gefüge wurde er unter dem Platz zwischen Haupt-und Nebengebäuden versenkt. Sein von einem U-förmigen Oberlicht eingefasstes und einseitig durch eine Schräge erhöhtes Dach übernimmt ein Stockwerk darüber die Aufgabe eines sozialen Marktplatzes. „Dieses Gebäude war unser Lehrmeister, eine wahre Fundgrube für weise architektonische Lösungen, raffinierte Details und angemessen eingesetzte geometrische Muster“, erklärt Matteo Scagnol, einer der Gründer von MoDus Architects.

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(Foto: Gustav Willeit)
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(Foto: Gustav Willeit)

Dieses Gebäude ist eine wahre Fundgrube für weise architektonische Lösungen.

Matteo Scagnol, MoDus Architects
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(Foto: Gustav Willeit)

Cusanus-Akademie: Minimalinvasive Renovierung bis ins Detail

Das wichtigste Element der sakralen Akademie-Architektur ist das Licht. Es wird zur dramatischen Geste, wenn es als klare Silhouette überall im Gebäude durch präzise platzierte Luken und Oberlichter fällt. Das zeigt sich vor allem in der Haupthalle des ersten Geschosses, an der die Architekten kaum etwas verändert haben. Die Decke wird von Gewölben aus Sichtbeton gebildet, darunter liegt zentral eine doppelgeschossige Halle, von der die Schlafräume ebenerdig sowie darüber in einer Galerie abgehen. Sie sind als einfache Schlafzellen möbliert und machen durch ihren Minimalismus die erhabene Architektur vor der Zimmertür zum Protagonisten. Insgesamt 55 Zimmer bietet die Cusanus-Akademie in Haupt- und Nebengebäuden und mit ihren zehn Sälen insgesamt Platz für bis zu 500 Tagungsgäste. „Ich schätze an diesem Barth-Bau die Präzision, den Sinn für Geometrie, die Details, die nie zufällig und nie komplex oder zu raffiniert sind“, sagt Matteo Scagnol. Der Respekt seines Büros vor dem Werk von Othmar Barth zeigt sich durch die minimalinvasive Renovierung, aber auch im Detail: Die einst vom Architekten für das Hauptgebäude ausgewählten Finn-Juhl-Sessel der Japan-Serie wurden restauriert und sind nun wieder Teil der Einrichtung.

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(Foto: Gustav Willeit)
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(Foto: Gustav Willeit)