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Marktplatz unterm Dach – 
Kinzo gestaltet Arbeits- und Forschungszentrum für KWS Saat

Kinzo: Forschungszentrum für KWS Saat in Berlin
(Foto: Schnepp Renou)

Mitten in Berlin ist ein „Wirtschaftswunder“ entstanden. Einen Teil des  Komplexes mit dem ungewöhnlichen Namen hat ein Saatguthersteller zu seinem neuen Zuhause gemacht, entworfen hat die strategisch organisierte und gegenwärtig gedachte Arbeitswelt das Büro für Büros: Kinzo.

Von Tanja Pabelick

Kinzo gestaltet ein vielseitiges Office für das Saatgutunternehmen KWS

Das Berliner Architekturstudio Kinzo ist Spezialist für progressive und urbane Büroprojekte. Mit seinem Team hat es den Hauptstadt-Campus von Zalando mitgeplant, dem Start-Up Soundcloud in einer alten Brauerei ein neues Zuhause eingerichtet und dem Suhrkamp Verlag ein Haus für fünf Regalkilometer gebaut. Der Auftrag, ein Entwicklungszentrum für einen Saatguthersteller zu gestalten, klingt dazu wie die planerische Antithese. Zumindest für denjenigen, der Äcker und Bauernhofromantik im Hinterkopf hat. Die Realität sieht anders aus. Das aus dem ländlichen Einbeck kommende Familienunternehmen KWS entwickelt Saatgut in der sechsten Generation – und braucht dafür Labore für die Forschung und Züchtung, aber auch kommunikative Flächen, Büroarbeitsplätze für die Verwaltung und stille Rückzugsorte.

Kinzo gestaltet ein vielseitiges Office für das Saatgutunternehmen KWS
(Foto: Schnepp Renou)
Kinzos Office für das Saatgutunternehmen KWS in Berlin
(Foto: Schnepp Renou)

Um all diese Aufgaben unter einem Dach zusammenzubringen, hat der Saatguthersteller die Eröffnung eines neuen Standorts beschlossen. Das Berliner Büro für 350 Mitarbeiter sitzt auf sechs Geschossen in einem revitalisierten Bankensemble direkt am U-Bahnhof Bülowstrasse. Das Milieu ist typisch für Berlin: Es setzt sich aus Gebäuden aller Epochen zusammen, wandelt sich rasant und ist dadurch in einem überformten, schroffen und deshalb umso authentischeren Zustand. Kinzo hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kontraste zwischen der ländlich geprägten Unternehmensidentität und dem hyperurbanen Umfeld in seinem Interior zu thematisieren. Die Architekten haben ein räumliches Spannungsfeld geschaffen, das die Tradition berücksichtigt und den Unternehmenswandel mitdenkt.

Berlin: Kinzos Office für das Saatgutunternehmen KWS
(Foto: Schnepp Renou)

Ländliche Tradition trifft auf urbane Innovation

Im Erdgeschoss werden die Mitarbeiter und Besucher an einem aus Stampflehm gefertigten Tresen empfangen, der mit seinem geschichteten Oberflächencharakter an ein geologisches Profil erinnert. In den darüber liegenden ersten vier Etagen sind die Arbeitsplätze auf einem L-förmigen Grundriss untergebracht. Aufgeteilt sind die Flächen immer gleich, wobei jeder Bereich einem individuellen Farbkonzept folgt. Vom zentralen Raum am Erschließungskern gehen zwei Trakte riegelförmig ab. Entlang der Fenster stehen die Arbeitsplätze, im Mittelbereich hat Kinzo Holzboxen platziert. „Die Raum-in-Raum-Installationen, die wie Saatkörner zwischen den Open-Space-Bereichen in der Mittelzone eingestreut wirken, bieten unterschiedliche Angebote für das zurückgezogene Arbeiten“, erklären die Architekten. Die asymmetrischen Räume nehmen Garderoben, Drucker oder Stauraum auf oder bieten zurückgezogene Arbeits- und Besprechungssettings.

Ländliche Tradition trifft auf urbane Innovation
(Foto: Schnepp Renou)

In der fünften und damit obersten Etage ist zur einen Seite das sogenannte Labor untergebracht. Hier befinden sich Besprechungs- und Konferenzräume, die akustisch durch Glastrennwände abgeschirmt sind, aber immer noch konsequent Durchblick erlauben. Falls gewünscht: „Blickdichte, dunkelgrüne Vorhänge bieten auf Wunsch eine geschützte und vertraute Arbeitsatmosphäre“, erläutert Kinzo. Nach der Besprechung können die Kollegen gleich in die Küche mit dem angeschlossenen, kommunikativen „Marktplatz“ weiterziehen, der auch allen anderen Kollegen als Mittagskantine dient. Bei gutem Wetter geht es noch eine Etage weiter nach oben, denn aus der Dachfläche hat Kinzo einen Park mit viel Grün, Sitzinseln, ringförmigen Bänken und vor allem einem bunten Panorama geschaffen: Von hier aus ist der Potsdamer Platz zu sehen, aber auch die Bülowstraße mit ihrer politischen Street Art.

Kenzo für KW Saat: Ländliche Tradition trifft auf urbane Innovation
(Foto: Schnepp Renou)
Ländliche Tradition trifft mit Kenzo auf urbane Innovation
(Foto: Schnepp Renou)