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Von den Termiten lernen – Lions Campus von Diébédo Francis Kéré

147_Startup Lions Campus Turkana_ViewTowardsLakeTurkana_Photo by Kinan Deeb for Kéré Architecture
Kinan Deeb

Ein engagiertes Projekt in Kenia will zeitgemäße Bildungsmöglichkeiten aufs Land bringen – und setzt auf vernakuläre Bautechniken und lokale Materialien: Diébédo Francis Kérés Lion Campus.

Kinan Deeb

Am Ufer des jadegrünen Turkana-Sees, der über 250 Kilometer als schmaler Spiegel zwischen den Dünen der kenianischen Wüste liegt, steht ein Bauwerk mit einem unerwarteten Nutzungskonzept. Der Lions Campus ist ein Start Up Hub, der sich an junge Unternehmen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien wendet. Mit ineinander verschränkten Kuben und einigen steil aufragenden Volumen wirkt die Anlage als Landmarke. Und lässt ahnen: Der Architekt ist kein Unbekannter. Diébédo Francis Kéré wurde in Burkina Faso geboren, führt aktuell sein Büro in Berlin und leistet seit Jahren mit seinen Bauten und Initiativen wichtige Entwicklungsarbeit in Afrika.

147_Startup Lions Campus Turkana_TheCourtyardOfSLAKCampus_Photo by Kinan Deeb for Kéré Architecture
Kinan Deeb
147_Startup Lions Campus Turkana_ViewTowardsLakeTurkana_Photo by Kinan Deeb for Kéré Architecture
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Inspirationsquelle Stalagmiten: besseres Klima durch organische Baukunst

Auch wenn die Funktion des Campus aktuelle Probleme und Zukunftsthemen adressiert, ist die Bauweise ganz bewusst traditionell. Denn die lange zur Typologie gewachsene, ortsübliche Architektur antwortet in Perfektion auf Klima und Kontext. Allein schon durch die rote Farbe des verwendete Lehms geht der Bau in der Landschaft auf. „Das Gebäude ist von den hoch aufragenden Hügeln inspiriert, die von Termitenkolonien in der Region errichtet wurden“, erläutert Kéré. Wer durch die umliegende Graslandschaft streift, begegnet in der Tat immer wieder den Stalagmiten, die die Insekten auf ihren Erdnestern errichten. Als architektonisches Element sind sie aber weit mehr als eine formale Referenz. „Hohe Lüftungstürme erzeugen einen Kamineffekt, durch den die Hauptarbeitsräume auf natürliche Weise gekühlt werden. Sie ziehen die warme Luft nach oben ab, während Frischluft durch niedrige Öffnungen zugeführt wird“, erklärt Kéré. Ein Effekt, der auch wichtig für die Technik ist. Der Windzug sorgt für eine natürliche Kühlung der IT-Geräte.

147_Startup Lions CampusTurkana_FullView_Photo by Kinan Deeb for Kéré Architecture
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147_Startup Lions Campus Turkana_ExteriorStaircase_Photo by Kinan Deeb for Kéré Architecture (2)
Kinan Deeb

Kérés Vision

Auch die ausgedehnten Dachterrassen unterstützen die bis zu 100 Nutzer des Campus dabei, bei den hohen Temperaturen in der Turkana-Region arbeits- und lernfähig zu bleiben. Unter bewachsenen Pergolen können sie sich auf Dächern und Terrassen zum informellen Austausch treffen und das Panorama geniessen. Das Gebäude wurde an einem Standort mit leichtem Gefälle errichtet und steht als Solitär in der weiten Landschaft, so dass alle außen liegenden Begegnungsorte einen freien Blick über den See bieten. Das Projekt soll und kann Vorbild für weitere Initiativen sein, sagt auch Kéré: „Es ist der erste Schritt im Rahmen der ehrgeizigen Vision, ein Netzwerk für Informations- und Kommunikationstechnologien in abgelegenen Gebieten zu etablieren.“

147_Startup Lions Campus Turkana located on the shore of Lake Turkana_Photo by Kinan Deeb for Kéré Architecture
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