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Von der Dunkelkammer zum Lichthof: räumliche Metamorphose von Ivy Studio in Montreal

Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)

Irisierende Wände, spiegelnde Pflanzkästen, Bildschirme mit Tarnkappe und eine Arbeitsatmosphäre wie in einem Outdoor-Lichthof: Das kanadische Ivy Studio setzt bei seinem Coworking-Büro in Montreal auf klare Farben, faszinierende Materialien – und die ein oder andere Überraschung.

Ivy Studio verzaubert eine Gewerbe-Etage in Montreal in einen lichtdurchfluteten Coworking-Space

Von Tanja Pabelick

Die Räume mitten im 19 Arrondissement von Montreal sind nach ihrer Transformation in ein Coworking-Büro nicht mehr wiederzuerkennen. Die Vormieter waren ein Jiu-Jitsu-Studio und ein Kosmetiksalon, die die düstere, an Fenstern arme Gewerbeetage durch teilweise abgehängte Decken und minimales kreatives Engagement maximal funktional eingerichtet hatten. Der Auftrag, aus den 8000 Quadratmetern nun eine flexible Arbeitsumgebung für bis zu 120 Personen zu machen, ging an das lokale Ivy Studio. Ihre größte Herausforderung: die Inszenierung des natürlichen und künstlichen Lichts. Nur das zur Straße liegende Treppenhaus und die frontale Fassade haben Fenster, der größere rückwärtige Bereich wird vom Tageslicht nicht mehr erreicht. Als erste Maßnahme entfernte Ivy Studio deshalb alle Verblendungen und Einhängungen und legte Backsteinmauern, Decken und Installationen frei. Allein durch die neu gewonnene Raumhöhe wirkt die Fläche schon heller und großzügiger. Zusätzlich ersetzten die Architekten die Wände zum Treppenhaus durch Glasziegelwände und führen so das Licht bis in den  Coworking-Space hinein.

Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)
Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)
Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)

Arbeiten wie in einem Hof: gemeinschaftliche und helle Atmosphäre

Die Fläche des Büros ist in zwei Bereichen organisiert. Der hellere, zur Front weisende Teil des Grundrisses widmet sich gemeinschaftlich genutzten Flächen. Dazu gehören die Küche mit angeschlossener Lounge, kleine Sitz-Zellen und eine Sofa-Landschaft. „Der Raum ist so konzipiert, dass er eine Vielzahl von Möglichkeiten für informelles Arbeiten oder Meetings bietet“, erläutern die Architekten. Hinter der Rezeption liegen die privaten Büros. Um nicht nur auf künstliche Beleuchtung setzen zu müssen, erarbeiteten die Planer eine unkonventionelle Lösung. Alle Büros wurden in einem Block in der Mitte des Raumes platziert, während in den Decken der umlaufenden Korridore zwanzig Oberlichter eingelassen wurden. Damit es auch in die Räume gelangt, wurden sämtliche Wände durch Festverglasungen und gläserne Schiebetüren ersetzt. Dabei hatte Ivy Studio ein eigensinniges Bild vor Augen: „Mit den freiliegenden Ziegelwänden, den Bodenfliesen aus hellem Sandstein und dem natürlichem Licht, das die Flure flutet, entsteht der Eindruck, draußen in einem Hof zu arbeiten.“

Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)
Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)
Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)

Ein zusätzliches Element des Briefings war, Räume zu schaffen, die eine klare Identität kommunizieren. Noch ist „Spacial“ der erste Coworking-Space der Auftraggeber, eine spätere Erweiterung um neue Standorte ist aber nicht ausgeschlossen. Die Architekten setzten deshalb auf wenige Materialien und ein klar definiertes Farbkonzept. Am auffälligsten ist das regenbogenfarbene Zinkblech, das den Empfangstresen und einige Wandpartien verkleidet. Speziell für das Projekt entworfen wurden außerdem Pflanzgefäße aus Chrom, die überall in den Räumlichkeiten verteilt wurden. Bordeauxrot ist die dominierende Nuance, der mit Mintgrün und Schwarz ein heller und einen dunkler Kontrast entgegengesetzt werden. Und ein kleines Geheimnis gibt es auch noch zu entdecken: Während Ivy Studio bei den Räumen die Substanz konsequent freigelegt hat, wurde die nötige Technik geschickt versteckt: Alle Bildschirme sind hinter schwarzen Rundspiegeln getarnt, die bei Nichtgebrauch wie eine Lichtskulptur hinterleuchtet sind und erst beim Anschalten ihre Doppelfunktion offenbaren.

Coworking-Büro in Montreal von Studio Ivy
(Foto: Alex Lesage)