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Arbeiten auf der Lichtung – die Verwaltung eines Sägewerks versteckt sich hinter Fichtenstämmen

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(Foto: Oliver Heinl)

Diesen Bau sieht man vor lauter Bäumen nicht: Mitten im oberpfälzischen Wald steht ein Gebäudekubus wie eine hölzerne Festung. Beim Material für die Fassade des Verwaltungsbaus haben sich Brückner & Brückner Architekten einer hyperlokalen Ressource bedient – sie nahmen die rohen Stämme aus dem angeschlossenen Sägewerk und konstruierten daraus ein natürliches Raster.

Brückner & Brückner verstecken Verwaltungsbau hinter Fichtenstämmen

Von Tanja Pabelick

Die Ziegler Group ist eines der größten Sägewerke Europas und seit 1948 in Plötzenberg in der Oberpfalz ansässig. Viele Nachbarn hat man hier nicht, wenige Kilometer ostwärts liegt die tschechische Grenze. Um nach Nürnberg oder Bayreuth zu kommen, geht es mit dem Auto über eine Stunde Richtung Westen. Als das Unternehmen Ziegler das Architekturbüro Brückner & Brückner dazu aufrief, einen neuen Verwaltungssitz zu entwerfen, begann alles mit einer Ortsbegehung: „Gemeinsam mit den Bauherren haben wir uns auf Spurensuche im Wald rund um das Sägewerk begeben und gefragt, was soll hier wachsen und wo? An der Schnittstelle von Wald und Produktionsflächen, am höchsten Punkt des Areals, sind wir fündig geworden.“ Nach der sinnvollen Positionierung kümmerten sich die Architekten um Identität und Atmosphäre. In kooperativen Workshops mit den Auftraggebern entwickelten sie die Idee, mit dem ursprünglichsten Produkt aus dem Portfolio von Ziegler zu arbeiten – dem blanken Stamm einer Fichte.

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(Foto: Oliver Heinl)
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(Foto: mju-fotografie, Marie Luisa Jünger)
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(Foto: mju-fotografie, Marie Luisa Jünger)

Für das Außenskelett des Gebäudes wurden bis zu 19 Meter lange Stämme in einem regelmäßigen, versetzt angeordneten Raster vor die Fassade aus Glas, Holz und Metall gezogen. Das Volumen des Gebäudes setzt sich aus zwei Kuben zusammen, die in der Höhe versetzt sind und sich zwei Innenhöfe teilen. Auch in den Innenräumen wird Holz als Thema fortgeführt. Wände, Decken und Möbel sind aus Holz gefertigt und dem Einsatzort angepasst verarbeitet. Allein das Material sorgt schon für eine angenehme Arbeitsatmosphäre in einer Art modern interpretiertem Blockhaus. Den Bauherren war es wichtig, durch viel Transparenz und offene Bereiche die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander zu fördern. Genauso relevant war aber auch die Verbindung zur umgebenden Natur. Jeder Mitarbeiter hat sein eigenes Fenster, und Verwaltung und Produktion sind nicht nur unmittelbare Nachbarn, sondern stehen auch permanent in einer Blickbeziehung. Über die Zeit wird der Campus immer mehr in der Umgebung aufgehen. Das war eine bewusste Strategie der Architekten: „Die Fassade entwickelt über Jahre Patina, zeigt die Himmelsrichtungen an und unterscheidet geschützte und ungeschützte Bereiche. Das Haus wird selbst immer mehr zum Wald.“

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(Foto: mju-fotografie, Marie Luisa Jünger)
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(Foto: Oliver Heinl)