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Büro als öffentlicher Raum: Wie Atelier Boter mit Textil, Sperrholz und viel Transparenz die Nachbarschaft einlädt

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(Foto: James Lin)

Ein Office für alle: Fischer, Nachbarn und Touristen sollen das taiwanesische Fish Forest Office zu ihrem Treffpunkt machen. Atelier Boter hat deshalb nicht nur das Interieur gestaltet, sondern auch die Veranda als Schleuse zum Dorfleben inszeniert.

Von Tanja Pabelick

In Quifeng, einem kleinen Fischerdorf an der Westküste Taiwans, ist Gemächlichkeit fester Bestandteil des Alltags. Das hat demografische Gründe, denn mehr als die Hälfte der Bewohner sind bereits im Ruhestand. Dazu kommt, dass die Fischerei eine Tätigkeit ist, die das soziale Miteinander traditionell in die Abendstunden legt, wenn alle Schiffe sicher im Hafen ankern, der tagesfrische Fang verkauft ist und eine frische Meeresbrise den Aufenthalt in den Straßen angenehmer macht. Um sein verschlafenes Dorf wieder zu beleben, hat ein junger Bewohner von Quifeng das Fish Forest Team gegründet. Mit Veranstaltungen und Touren sollen Geschichte und Kultur des besonderen Ortes vermittelt und der Tourismus angekurbelt werden.

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(Foto: James Lin)
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(Foto: James Lin)

Öffentlicher Raum neu definiert

Das Büro des Fish Forest ist ein Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität. Untergebracht in einem Eckhaus wird ein kleiner Treppenabsatz aus Beton zur improvisierten Terrasse. „Das Büro grenzt an eine Reihe von Wohnhäusern mit Veranda, bei denen die Eingangstüren der Wohneinheiten nach hinten versetzt sind. Dort sitzt man zusammen und unterhält sich ungezwungen“, erklären Chung-Kai Hsieh und Wen Shan Foo vom Architekturbüro Atelier Boter. Sie haben den Außenbereich des rundum verglasten Arbeitsraumes bewusst als kommunikative Transitfläche inszeniert, die wie ein Puffer zwischen dem lebendigen Stadtraum und dem manchmal chaotischen Büro wirkt. Acht Mitarbeiter teilen sich hier 53 Quadratmeter – und können bei Bedarf noch einen Vorhang zuziehen, um einen temporären Klassenraum zu schaffen. Die flexible Inszenierung ist außerdem ein Angebot an die Anwohner, wie Boter Atelier erläutert: „Die Transparenz des offenen Raumes lädt die Nachbarn dazu ein, die Fläche gemeinsam zu nutzen.“

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(Foto: James Lin)
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(Foto: James Lin)
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(Foto: James Lin)

Bei der Verkleidung der Wände und Decken haben sich die Architekten für einfaches Sperrholz entschieden „um eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen.“ Sie wollen eine Architektur, die nicht statisch ist und sich gezielt auf das Verhalten der Menschen und die kulturelle Dynamik des Dorfes einstellt. „So wie das Klima eine Stadt prägt, so prägen die Nutzer die Architektur“, sagen Atelier Boter. Das Fish Forest Office kennt deshalb weder Feierabend  noch Ladenschluss. „Wir ersetzen das gewöhnliche Gemeindezentrum, das nur zu bestimmten Anlässen geöffnet wird, durch ein regressives Konzept, das einen kooperativen Raum für das alltägliche Leben öffnet. Dadurch, so hoffen wir, wird sich eine Energie entwickeln, die sich in Kommunikation und Aktion verwandelt und dann den öffentlichen Raum neu definiert.“

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(Foto: James Lin)